DKP Allgäu - Aktuelles

Wanderausstellung: Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland

26.3.2015 - Seit 1990 zählt die Amadeu-Antonio-Stiftung mindestens 184 Todesopfer
rechter Gewalt in Deutschland. Viele wurden getötet, weil für sie im
Weltbild der extremen Rechten kein Platz ist; manche, weil sie den Mut
hatten, Nazi-Parolen zu widersprechen. Einige Schicksale bewegten die
Öffentlichkeit, viele wurden kaum zur Kenntnis genommen - vergessen sind
die meisten. Diese Opfer verdienen es jedoch, dass man sich an sie
erinnert. Dazu gehört sowohl eine kritische Auseinandersetzung mit den
gesamtgesellschaftlichen Ursachen, die diese Taten erst ermöglichten als
auch ein Nachdenken über die eigene Verantwortung.

Dies ist genau der Anspruch, den die Wanderausstellung in vier Städten
im Allgäu zu erfüllen versucht, da der Tod von Peter Siebert in
Memmingen 2008 und Konstantin M. in Kaufbeuren 2013 durch
rechtsmotivierte Gewalt hier im Allgäu - quasi »direkt vor der Haustür«
- geschah.

Weiterlesen...

Schöne Bescherung: Fendt-Traktoren kündigt 570 Beschäftigten

Sie haben die Folgen der Krise alleine zu tragen

Rechtzeitig vor Weihnachten haben 570 Beschäftigte von AGCO-Fendt in Marktoberdorf im Allgäu und Asbach-Bäumenheim bei Donauwörth ihre Kündigung zum 1.Januar 2015 erhalten. Der zum US-amerikanischen AGCO-Landmaschinenkonzern gehörende Traktorenbauer hat derzeit etwa 3200 Beschäftigte in Marktoberdorf im Kreis Ostallgäu und 1000 in Asbach-Bäumenheim im bayerischen Kreis Donau-Ries. Von diesen sollen nun 450 Leiharbeiter, die aber großenteils schon jahrelang im Betrieb arbeiten, und 120 Festangestellte gehen. Der Kahlschlag soll sich über alle Unternehmensbereiche einschl. Verwaltung erstrecken.

Fendt verzeichnete 2013 als das Rekordjahr seiner Geschichte: Fast 18.000 Traktoren (22% mehr als im Vorjahr) wurden verkauft (bei 97 Beschäftigten weniger als im Vorjahr). Seit der letzten Konjunkturdelle im Jahr 2009 zog die Produktion kontinuierlich an. Noch im Juli 2014 war bei einer Präsentation auf Schloß Neuschwanstein die Rede von 20.000 Traktoren in 2014. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch nach Brasilien und den übrigen amerikanischen Kontinent exportiert werde. Etwa 14.800 Traktoren sind es nun in 2014 geworden.

In Frankreich, dem größten europäischen Absatzmarkt für Fendt, brach der Umsatz um 25% ein. Die Folgen der vor allem von Deutschland von der EU geforderten Sparpolitik? Hinzu kommen laut Peter-Josef Paffen, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, die Sanktionen gegen Russland (es wird immer deutlicher, dass sich EU und Deutschland damit ins eigene Fleisch geschnitten hat, Anm.K.W.), sowie geringere Erlöse bei Getreide und Milch. Dies führe zu sinkender Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft. So die Fendt-Geschäftsführung. Und wenn ein Bauer schon mal so einen Super-Traktor von Fendt im Stall stehen hat, kauft er ja im nächsten Jahr nicht schon wieder einen neuen.

Die regionale Presse konnte den „Leuchtturm der Allgäuer Wirtschaft" und größten Arbeitgeber in der Region in den letzten Jahren gar nicht genug hochjubeln: "Bei Fendt geht es weiter bergauf", „Mit Volldampf voraus:Agco-Fendt will sich international etablieren", „Produktion bei Fendt läuft rund". Das DLG-Imagebarometer kürte Fendt zum „Imageführer in Deutschland" im Bereich Markttechnik, zwei Goldmedaillen auf der Landtechnik-Messe in Posen, die für den zentral- und osteuropäischen Markt führend ist: eine für den Hybridmähdrescher 9490X und eine weitere für den Traktor Fendt 800 Vario. Der ist inzwischen schon wieder überholt von dem stärksten Standardschlepper der Welt: dem 1050 Vario mit 500 PS, 6 Zylindern, 12,4 l Hubraum. Er steht im Ruf eines „German Meisterwerk". Tag der offenen Tür und Show-Events machen Fendt und seine Produkte bekannt, jedes Kind kennt die Spielzeugtraktoren.

Ebenfalls war im Juli noch davon die Rede, dass in 2014 74 Mio Euro investiert werden sollen und die 400 Fendt-Ingenieure auch mit materiellen Anreizen zu Höchstleistungen motiviert werden sollen, um die Produktion auf 20.000 Traktoren in diesem Jahr zu bringen.. Doch jetzt ist die Rede von einem „vernünftigen Sozialplan", einer Transfergesellschaft, finanziert von der Arbeitsagentur (also der Allgemeinheit) und Fendt. Abfindungen, Vorruhestandsregelungen und Versetzungen innerhalb des Unternehmens, auch zwischen Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim sollen einiges abfedern. Auch ein „Sabbatjahr" wird angeboten: die Beschäftigten sollen für ein Jahr gehen und sollen sich in der Zeit z.B. weiterqualifizieren und werden nach einem Jahr huldvoll wieder aufgenommen, sofern dann eine Stelle frei ist!!!

Der AGCO-Fendt Konzern ist jedoch noch weit entfernt von der Verlustzone oder auch von einer „schwarzen Null". Die Krise trifft ausschließlich die Beschäftigten.

Text: KW

Neue Stolpersteine im Allgäu

Neue Stolpersteine im Allgäu

3.7.14: Am 30.6.14 und 1.7.14 wurden von der Stolpersteininitiative Kempten und Umgebung erneut Stolpersteine verlegt. Auf dem Kemptener Friedensplatz (wo es bereits ein Mahnmal an die Opfer des Nationalsozialismus und einen Gedenkstein an die Deportation der jüdischen Mitbürger gibt) wurden zwei Stolpersteine für die polnischen Zwangsarbeiter Josef Chalupka und Boleslav Baran eingelassen.

Weiterlesen...

Die Baierische Räterepublik im Allgäu – Bombenanschlag auf Füssener Bezirksamt. Eine Buchbesprechung

Kreikle, Christian: „Volksgemeinschaft" statt Klassenkampf
Der verloren gegangene Kampf für eine soziale Republik und der Aufstieg des Nationalsozialismus im Allgäu 1918-1933/34. 2 Bände, insges. 910 Seiten, Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften, Saarbrücken, 2012.

Der Autor, Lehrer in Augsburg und in der SPD Augsburg-Kriegshaber aktiv, hat diese Dissertation im Zweitstudium an der Fernuniversität Hagen eingereicht. In immenser Kleinarbeit und akribischem Durchforsten von Archiven hat er damit vieles ans Licht gebracht (ins „linke" Licht gebracht wäre hier richtiger, als ins „rechte" Licht gebracht), was die bisherige regionale Geschichtsschreibung tunlichst unter der Decke gehalten hat – auch diverse SPD- Jubiläumsgedenkschriften.

Schwerpunktmäßig wird jeweils pro Kapitel die Entwicklung in Kempten dargestellt. Zum Ende des Kapitels wird die Situation kürzer gefasst jeweils im übrigen Allgäu dargestellt. Im Folgenden sei schwerpunktmäßig auf die erste Hälfte der Arbeit, die Zeit der Räterepublik, eingegangen.

Im November 1918 wurde auch in Kempten ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat (ASBR) gebildet. Vorsitzender wurde Wilhelm Deffner, (M)SPD, Gewerkschaftsfunktionär der Textilarbeiter aus Augsburg. (Er wurde übrigens weit über 100 Jahre alt und in jüngerer Zeit ,noch vor seinem Tod, in Augsburg lebend, in der Presse als ältester Gewerkschafter und Sozialdemokrat gefeiert, ohne seine Tätigkeit in der Räterepublik zu erwähnen, Anm.K.W.) Im Standgerichtsprozeß nach Niederschlagung der Räterepublik zog er sich darauf zurück, nur mitgemacht zu haben, „um Schlimmeres zu verhüten" und entging auch einer Verurteilung. Seine Frau Aurelia wurde 1919 als eine der ersten Frauen in den bayerischen Landtag gewählt (für die (M)SPD) und wirkte streckenweise auch im Arbeiter- und Soldatenrat in Kempten mit.

Der 2.Vorsitzende wurde Adolf Schmidt, Mitglied der USPD. Bis dahin ein unbeschriebenes Blatt, wurde er von seinen Buchdruckerkollegen bei einer der ersten Kundgebungen auf einen LKW geschoben, um eine Rede zu halten. In der weiteren Entwicklung gewann er zusehends an Kontur und nahm, wenn auch oft notgedrungen, da Deffner überregional Aufgaben wahrnahm, das Heft in die Hand. Er verstand es, seine revolutionären Ziele mit den realistischen Voraussetzungen in Einklang zu bringen und wurde zum ernsthaften Kontrahenten des damaligen und bis weit in den Faschismus hinein regierenden Oberbürgermeisters Dr.Otto Merkt. Nachdem Reichswehr und Freikorps Schwaben im Mai 1919 in Kempten einrückten, wurde er in einem Standgerichtsprozeß zu 3 Jahren Festungshaft verurteilt, die er in Niederschönenfeld bei Rain am Lech u.a. zusammen mit Ernst Toller und Erich Mühsam (der ihn in seinen Tagebüchern wohlwollend erwähnt) absaß. Mit dieser Erfahrung verbrachte er zwischen 1933 und 1945 noch weitere Jahre in verschiedenen Gefängnissen und im KZ Dachau.

Kreikle schildert auch detailliert die Auseinandersetzungen in den Betrieben um Arbeitszeiten und vorenthaltenen Lohn (z.B. Papierfabrik Hegge bei Kempten). Die Bauern setzten sich bald vom ASBR ab und wandten sich dem Bauernbund, Vorläufer der (später NS-verfolgten) Bayerischen Volkspartei, zu.

Auch über den „bewaffneten Kampf" im Allgäu kann man Kreikles Untersuchung einiges entnehmen. Adolf Schmidt verteidigte sich zwar unwidersprochen vor dem Standgericht: In Kempten wurde während der Räterepublik niemandem ein Haar gekrümmt und kein Eigentum angetastet. Jedoch kam es verschiedentlich zu „Spontanaktionen", die der Arbeiter- und Soldatenrat dann im Zaume hielt:

„In der Nacht vom 9. auf den 10.1.(1919) versammelten sich in Kottern und Schelldorf „Spartakisten", drangen in die Unterkünfte der 3.Kompanie des Grenzschutzbataillons I mit dem Ruf „Gewehre her oder es gibt Blut!" ein und zogen mit erbeuteten Waffen ab....in der darauffolgenden Nacht überrumpelte ein Kommando im Kornhaus die Posten und erbeutete fünf Maschinengewehre und eine Anzahl Gewehre. Zur gleichen Zeit drangen...etwa 30 Männer in die alte Realschule ein – wie das Kornhaus eine Soldatenunterkunft – und rückten mit zwei Maschinengewehren und 16 Gewehren ab....In Immenstadt fürchtete man den Angriff der Kemptener Spartakisten und traf Verteidigungsmaßnahmen."

Mehrfach ist die Rede davon, dass im Haus des Mitglieds des Arbeiter- und Soldatenrats Martin Bonenberger in Schelldorf mehrer hundert Waffen gelagert wurden.

Dieser „bewaffnete Kampf" zog sich auch nach Ende der Räterepublik im Sommer 1919 noch weiter hin. „Am 4.12.1921 hatte in Immenstadt eine Unterbezirkskonferenz der Allgäuer Gruppen (der KPD, K.W.) stattgefunden. Danach hatte man dort den Aufbau einer militärischen Leitung, die ihren Sitz am Eisenbahnerzentrum Kempten haben sollte, beschlossen....Vermutlich gehörten die offenbar wöchentlich stattfindenden nächtlichen Geheimtreffen im April 1923 in Lenzfried bei Kempten, an denen etwa 300 Männer beteiligt waren, zu Rekrutierungsmaßnahmen dieser paramilitärischen Abteilungen.

Waffenfunde nach Polizeiangaben vom 1.1.1924: KP Kempten:13 Gewehre, 3 Pistolen, 300 Schuß Munition, 4 Handgranaten. Und so geht es weiter mit KP Kaufbeuren, KP Immenstadt, KP Blaichach.

Ein Höhepunkt der militärischen Tätigkeit war ein Bombenanschlag am 22.November 1923 auf das Bezirksamtsgebäude in Füssen (bei dem niemand zu Schaden kam). Erst am 4.9.1926 wurden in dieser Sache Urteile gesprochen: 8 Füssener Kommunisten wurden zu Freiheitsstrafen von 2-12 Jahren verurteilt. Aus heutiger Sicht ist ihre Urheberschaft fraglich. Es könnten auch Angehörige der 1923 aufgelösten NSDAP-Gruppe gewesen sein.

Diese etwas breite Schilderung von militärischen Aktionen in dieser Besprechung soll jedoch keine falschen Gewichte setzen. Der ASR übernahm praktisch keine direkten Exekutivinstitutionen, sondern begnügte sich mit einer peniblen Kontrolle von Bürgermeister, Magistrat etc. Meistens ging es bei den Aktionen des Arbeiter- und Soldatenrats um soziale Angelegenheiten, wie Arbeitsbeschaffung und Beschaffung von Lebensmitteln (z.B. sollte die Käseproduktion gedrosselt werden, die den betuchten Schichten zu Gute kam, die ihn kaufen konnten, während für Arme und Kinder zu wenig Milch zur Verfügung stand). Auch die finanziellen Engpässe des ASR nagten an dessen Energie und Aktionsmöglichkeiten: Immer wieder wurden Bitten um finanzielle Mittel an den Zentralrat in München gesandt.

Auch auf die Kommunalpolitik geht Kreikle ein:
1924 wurden in St.Mang, einem Vorort von Kempten (wozu die Textilindustrie-Ortsteile Kottern, Schelldorf, Neudorf gehörten) 4 Gemeinderäte von der KPD und 3 von der SPD gewählt, neben bügerlichen und bäuerlichen Kräften. Martin Bonenberger von der KPD kandidierte als Bürgermeister, schaffte es aber nicht. „Im weiteren sind konkrete Vorschläge oder Maßnahmen seitens der KPD nicht bekannt. Sie versuchte, sich als systemüberwindende Kraft darzustellen und gewann 1928 nur mehr 1 Mandat". SPD und KPD gemeinsam hätten die Mehrheit gehabt. Hier spielte neben der „sektiererischen" Politik der KPD die Konzeptionslosigkeit der SPD, die Kreikle für die gesamte Periode 1918-1933 feststellt, eine Rolle.

Im weiteren Verlauf der Untersuchung gibt es auch interessante Ausführungen zu Wahlergebnissen (wie auch schon zuvor, z,B, Wahl von Adolf Schmidt 1920 zum Landtagsabgeordeten, obwohl er in Festungshaft saß). Während die KPD im Allgäu im Durchschnitt bis 1930 nur höchstens 2-3% erzielte, stiegen die Ergebnisse ab 1931 bis um die 12%. In den Industrievororten Kemptens Kottern, Schelldorf, Neudorf (Spinnereien und Webereien) wurden bis zu 54% erzielt, in Blaichach bei Immenstadt, ebenfalls Spinnerei und Weberei (heute ist in den Gebäuden BOSCH) bis zu 36%. Auch bei Kleinbauern und dörflichem Prekariat gab es gute Erfolge.

Letztlich ist auch der Vergleich Kreikles von Kottern mit Penzberg aufschlussreich: Während in der Bergarbeiterstadt auch während des ganzen Faschismus die Nazis nie richtig Fuß fassen konnten, schwenkten die Arbeiter in Kottern 1933 schnell zu den Faschisten um und nicht wenige KPD-Aktivisten fanden sich in der NSDAP wieder. Ihnen ging es lediglich um die Frage: wer verhilft mir schnellstens zu einem besseren Leben.

Auch die Verhaftungswelle nach dem Reichstagsbrandprozeß 1933 gegen die Kommunisten, den kurzzeitigen Widerstand von Willy Wirthgen (der in den Untergrund abgetaucht, in einer Alpe am Grünten noch zwei Monate illegal das „Kempter Mosaik" der KPD produzierte) und Adolf Schmidt, der noch später als Willy Wirthgen , ebenfalls abgetaucht, bei einem Treffen mit einem übergeordneten KPD-Funktionär in der Kemptener Wirtschaft „zum Anker" festgenommen wurde, schildert Christian Kreikle.

Wermutstropfen: Das wertvolle Werk ist nahezu unerschwinglich: 128,00 Euro pro Band!

29.5.14 kw

Seite 7 von 21
Banner