DKP Südbayern würdigt Revolution in München von 1919

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48-seitige Broschüre jetzt in Neuauflage herausgekommen
DKP Südbayern würdigt Revolution in München von 1919
Münchner Arbeitermacht gegen Völkermord und Kapitalherrschaft


Revolution in München! Die Monarchie wird gestürzt, die Räterepublik ausgerufen. Nach vier Jahren mörderischem Krieg in Europa mit mehr als zehn Millionen Toten weht über der Landeshauptstadt die rote Fahne der Arbeiter, des Friedens und der Völkerfreundschaft. Nie wieder Krieg, Schluss mit Konzernkapital und Militärmachthabern, den Schuldigen am Krieg, die im Größenwahn ihre Macht über Europa hatten ausdehnen wollen und damit jämmerlich gescheitert sind.

Die Räterepublik wurde in München am 7. April 1919 proklamiert. Inspiriert von der russischen Oktoberrevolution 1917, verkündete der revolutionäre Zentralrat: „Unser Kampf für die Weltrevolution wird unsere Brüder im Westen Europas aufrufen, auch mit ihren Regierungen die große Abrechnung vorzunehmen.” Aber der Funke sprang nicht über, das rote München blieb isoliert. In Deutschland triumphierte die Konterrevolution. Bereits einen Monat später war die Räterepublik blutig niedergeschlagen. Hunderte wurden ermordet, Tausende festgenommen und misshandelt.
Über die dramatischen Ereignisse damals hat jetzt die DKP Südbayern ihre früher schon zweimal erschienene Broschüre neu herausgebracht:


90 Jahre Räterepublik in München.
48 Seiten mit vielen Bildern.

Schutzgebühr 4 Euro. Bestellungen an: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Leseprobe:
... Und doch: Die Masse der arbeitenden Bevölkerung Münchens wünscht sich keineswegs die Zustände vor Ausrufung der Räterepublik zurück.
Die erste Räteregierung trifft einige Maßnahmen zugunsten der kleinen Leute, die nicht bloßes Papier bleiben. Das gilt für das Bankwesen, wo ein „Revolutionärer Bankrat” die politisch motivierte Kapitalflucht durch die Festlegung von Höchstabhebungsbeträgen u.a. bremst; am spürbarsten aber wird es für die Wohnungssuchenden. Der bereits vom Rätekongress eingesetzte Wohnungskommissar Dr. Wadler (USPD) bemüht sich seit Ende Februar energisch, die Wohnungsnot zu lindern. Da er aber von der Hoffmann-Regierung nicht anerkannt wird, fällt es den städtischen Be­hörden leicht, sich gegen seine Anordnungen stur zu stellen. Das ändert sich jetzt: Wadlers Verordnung zur „Beschlag­nahme und Rationierung der Wohnun­gen” zeigt Wirkung.
Dem Hausbesitzer wird jegliches Einspruchsrecht gegen die Einquartierung der Wohnungssuchenden entzogen; der Wohnungsbedarf wird genau rationiert. Häuser dürfen nur noch mit Zustimmung der Gemeinde verkauft werden, die Mietpreise werden bei Streitigkeiten von den Gemeinden festgesetzt – unter Berücksichtigung der Lebensverhältnisse der Mieter. Erstmals gelingt es – und selbst das rätefeindliche Münchner Wohnungsamt muss das später zugeben –, wenigstens einen Teil der schon lange vorgemerkten Wohnungssuchenden unterzubringen.
Damit ist nachgewiesen, dass sich auch kurzfristig etwas gegen die Wohnungsnot unternehmen lässt; die Hoffmann-Regierung sieht sich daher unter dem Druck der Bevölkerung gezwungen, die Wadlersche Verordnung, wenn auch ver­wässert, zu kopieren.
Auch das sei wohl, kommentiert ein bür­gerlicher Historiker vorsichtig, „zum Teil unter die Wirkungen der Rätezeit zu rechnen”.
Die großen Unternehmen, vor allem der Rüstungsindustrie, haben im Krieg auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung ungeheure Profite gemacht; so nutzen die Arbeiter jetzt die Gunst der Stunde – nämlich die Angst der Bourgeoisie vor der Sozialisierung – und verlangen in sehr vielen Betrieben Kriegsgewinnanteile, Entschuldungsbeiträge, Teuerungs­zulagen. Und sie erhalten sie.
(Seiten 23/24)

Aus dem Vorwort von Walter Listl, Eine Revolution ist möglich
90 Jahre nach der Niederschlagung der Räterepublik und 20 Jahre nach dem Scheitern des Sozialismus in Osteuropa wird wieder über Sozialismus gesprochen. Denn der globale Kapitalismus hat zu einer tiefgehenden Krise der Zivilisation geführt. Krise der Zivilisation, das sind nicht nur der „permanente Krieg”, Hunger und Elend in großen Teilen der Welt, eine drohende Klimakatastrophe, anhaltende Massenarbeitslosigkeit, Börsencrash und Bankeninsolvenz, Finanz- und Wirtschaftskrise. Krise der Zivilisation ist auch eine Entwicklung, die den Menschen das Vertrauen in die Zukunft nimmt.
Aber eine neue Ordnung wird bereits sichtbar und gesellschaftlich diskutabel in Lateinamerika, aber auch hier bei uns, bei den vielen, die nicht mehr widerstandslos hinnehmen, dass die Reichen immer reicher werden und man von seiner Arbeit nicht mehr menschenwürdig leben kann, und bei den vielen Millionen Menschen, die auf allen Kontinenten gegen den Krieg aufstehen und die nicht mehr hinnehmen, dass die ganze Welt zur Ware wird.
Um heute die Welt verändern zu können, müssen wir aber auch das Beste unserer Geschichte bewahren. Dazu gehören ganz sicher die Münchner Räterevolution und ihre Errungenschaften – das Frauenwahlrecht zum Beispiel.

 
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