AfD: Das Allgäu bleibt „alternativ(e)los“ schön…

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rief ein Kundgebungsteilnehmer über die Straße in Richtung Gaststätte „Birkenmoos". Ein anderer skandierte: „Der Storch bringt die Kinder, die Storch bringt sie ..." Das letzte Wort ging im Beifall unter. Beatrix von Storch gab sich die Ehre, in der besagten Gaststätte in Lauben bei Kempten eine Rede zu halten. Zum Thema: „Grenzen sichern-Heimat schützen". Was da zu erwarten war, konnte sich jeder ausmalen. Es sollten Ängste und Vorurteile gegen Geflüchtete geschürt werden und damit ein Nährboden für Gewalt und Ausgrenzung geschaffen werden, hieß es in einem kurzfristig formulierten Aufruf des ebenfalls kurzfristig gebildeten „Bündnis Keine Stimme für Rassismus". Einen kleinen Vorgeschmack gab es: die Polizei richtete Kontrollstationen auf den Zufahrtswegen ein und Laubener Kinder und Jugendliche, die von der Bushaltestelle auf dem Heimweg waren, wurden eingehend befragt, wo sie denn hinwollten.

Den Anstoß gaben wie so oft die Jugendlichen im Umfeld des selbstverwalteten Jugendzentrums react!OR in Kempten, seit nunmehr über zehn Jahren eine verlässliche Institution in Sachen Antirassismus und Antifaschismus. Sie traten in den letzten Wochen bereits in Mindelheim spontan einer AfD-Veranstaltung entgegen und leisteten in Kempten bei einem samstäglichen Infostand mit Transparenten und Plakaten die erforderliche „Aufklärung". Nun gesellten sich in diesem Fall auch schnell Laubener Bürger hinzu, die der Auftritte der AfD im „Birkenmoos" leid sind. Innerhalb kurzer Zeit führte der AfD-Kreisverband Kempten-Oberallgäu-Lindau-Westallgäu dort drei Veranstaltungen durch. Das „Birkenmoos" gehört der Gemeinde Lauben und die gab aus falschem Demokratieverständnis heraus die jeweilige Zustimmung. So rührte sich schon seit einiger Zeit Unmut in der Gemeinde und im Gemeinderat. Zunächst fand eine Veranstaltung statt, wo sich beinahe der Gründer und Vorsitzende des Verbands deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaper aus dem Allgäuer Petersthal, vor den AfD-Karren hatte spannen lassen. Im letzten Moment sagte er doch noch seine Teilnahme an der Podiumsdiskussion ab. Kurze Zeit später traf in Lauben die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel ein, Unternehmensberaterin aus Salem am Bodensee mit einem weiteren Wohnsitz in der Schweiz (dort liegt wohl ihre „Alternative"). Und nun eben Beatrix von Storch.

Deren Thematik schreckte vor allem den Asyl-Helferkreis in Lauben auf, der sich auch gleich am Bündnis beteiligte und das äußere Bild der Kundgebung mit seinen kurzfristig und „unprofessionell im besten Sinne" erstellten Schildern und Plakaten prägte. Auch der bekanntgewordene Sprecher der Asyl-Helferkreise in Immenstadt und Umgebung, Udo Dünßer, hielt einen Redebeitrag. Sehr erfreut konnten die mehr als 100 Protestierenden die relativ starke Präsenz der Gewerkschaften registrieren: Claudia Weixler, Gewerkschaftssekretärin der Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (in Lauben, einem Ort mit vielen Ein- und Zweifamilienhäusern und Bewohnern, die überwiegend in Kempten arbeiten, sitzt auch der berühmte Camembert-Produzent „Champignon Käsewerke Hofmeister") arbeitete in einem in einwandfreiem Allgäuer Idiom gehaltenen Beitrag die arbeitnehmerfeindliche Politik der AfD, vor allem im Bereich der renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung heraus. Inge Peters, ehrenamtliche ver.di-Vorsitzende von Kempten, die im Hauptberuf mit geistig Behinderten arbeitet, wies darauf hin, was Behinderte generell bei einem größeren Einfluß der AfD zu erwarten haben: Ausgrenzung. Der Betriebsratsvorsitzende der Telekom in Kempten, Peter Höflinger, befand sich ebenfalls unter den Protestierenden, wie auch der LINKE-Direktkandidat und Allgäuer Vorsitzende Xaver Merk, seines Zeichens ebenfalls Gewerkschaftssekretär (ver.di).

Und last not least ist ein Highlight der Kundgebung vor dem „Birkenmoos" zu erwähnen und bei solch relativ kleinen Kundgebungen nicht selbstverständlich: Die Musik- und Gesangsgruppe „VETO" aus Kempten begeisterte an diesem schwülheißen Sommerabend mit alten und neuen „menschenfreundlichen" Liedern und Stücken von den „Bots" bis John Lennon. Einer ihrer Musikanten ließ es sich nicht nehmen, auch vom Musikzelt aus per Mikro seien Standpunkt zum Ausdruck zu bringen. Es ging um die Frage, war das jetzt heute ein Erfolg für Laubener Verhältnisse oder bekamen doch wieder mal zu wenige den „Arsch hu un die Zäng ussenander".

Die nächste Gelegenheit das zu überprüfen: Am Freitag, den 14.Juli 2017 findet wiederum eine Protestkundgebung vor einer AfD-Veranstaltung statt, und zwar in Kempten, vor dem „Haus Hochland" in der Prälat-Götz-Straße, ab 17.00 Uhr. Wie auch bei den Laubener Veranstaltungen der AfD sind auch hier (also bei der AfD-Veranstaltung, nicht bei der Protestkundgebung) nur Gäste nach vorhergehender Anmeldung und Überprüfung zugelassen. Das ist Demokratie a la AfD.

9.7.2017 kw

 
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