Gemeinsame Arbeit und frohes Feiern: und immer Teil einer Kampfpartei
Am Samstag, 11.10., war ich Gast der Parteigruppe Augsburg zur Feier von 40 Jahren DKP. Stilvoll war sie im noch ursprünglich erhaltenen Lokal Österreichischer Kaiser arrangiert – just da, wo vor 40 Jahren Theo Schoofs, Sepp Lutz u.a. die DKP Schwaben aus der Taufe gehoben hatten. Eben dieser Sepp, mit Frau Mariele und anderen Genossen aus dem Allgäu angereist, erzählte Anekdoten aus seiner Vergangenheit. Für junge Genossinnen und Genossen, auch von der SDAJ, war das eine kleine Geschichtsstunde der anderen Art – wie der Ausspruch des (Nazi-)Staatsanwalts, der den Sepp 1956 für 18 Monate ins Gefängnis geschickt hat: "Wenn ein Kommunist Frieden propagiert, dann ist das Staatsgefährdung."
Ähnlich plastisch verlief die Würdigung des anwesenden 89-jährigen Hans Schneider, Bezirksvorsitzender der DKP Südbayern 1969–1981, durch Genossen Reinhard M.. Er erinnerte an die fröhliche DKP-Aktion Freier Zugang zu bayerischen Seeufern mit der Besetzung des verfassungswidrig abgesperrten Villengrundstücks des Großgrundbesitzers und Multimillionärs August von Finck am Kochelsee. Ein CSU-Bürgermeister kommentierte damals: "Recht habts. Schad, dass Kommunisten seids."
August von Fincks Villengrundstück am Kochelsee wurde besetzt
Von dieser und anderen DKP-Aktionen handelte auch der Brief der leider verhinderten langjährigen Augsburger Gruppenvorsitzenden. Besonders hob sie die Arbeit in Augsburg mit den kommunistischen bildenden Künstlern Jörg Scherkamp und Carlo Schellemann und dem Arbeiterschriftsteller Kneissl mit ihren vielfältigen Brecht-Repräsentationen hervor – zu einer Zeit, als der in Augsburg zur Welt gekommene Dichter vom Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Heinrich von Brentano noch mit dem Nazi-Zuhälterbarden Horst Wessel auf eine Stufe gestellt wurde.
Erwähnt wurden aber auch die Betriebsarbeit bei MAN, Kuka u.a., ebenso die international geführte Kampagne gegen die verfassungswidrigen Berufsverbote des Ehepaars Edith und Gerd Wiese sowie Aktionen gegen die Neonazis. Zustimmung und Freude kamen auf bei der Mitteilung, am Haus der verstorbenen Genossin und jahrelang im KZ eingesperrten Widerstandskämpferin Anni Pröll werde jetzt eine Gedenktafel angebracht.
Höhepunkt des Abends war Andrés und Claudias 50-Minuten-Film über 40 Jahre DKP. Zusammengeschnitten aus alten Wochenschauen, TV-Sendungen, Interviews und wackligen Videos, entstand ein buntes Bild der verschiedenen Kampfgebiete und Aktivitäten der jungen und alten kommunistischen Partei unseres Landes. Dazwischen geschoben passende Texte aus dem neuen DKP-Parteiprogramm und von mitreißenden Liedern begleitete Demonstrationsfotos von den Ostermärschen bis zur Antifa. Optisch wie emotional eindrucksvoll – wer lästert da noch über Latschdemos? Erst durch diese von manchen als langweilig und nutzlos abgetanen Proteste wurde mancher Politskandal öffentlich und erinnerbar. Außerdem gab es glänzende Pressefeste und Aktionen internationaler Solidarität wie die Kuba- und Nicaragua-Brigaden. Ein Film, der wohltat und zeigte, was Gruppenvorsitzender Werner Feldmann zu Anfang gesagt hatte: "Wir sind klein, aber wir sind auf dem richtigen Weg."
Zum Ausklang sangen Gerda, Elisabeth u.a. Lieder zur Gitarre. Teils konnten wir sie mitsingen, teils wenigstens mit Lalala mitempfinden. Lieder, die über den kleinen Kreis der 30 bis 35 Anwesenden hinaus die Zugehörigkeit zur weltweiten revolutionären Bewegung spüren ließen.
Mir scheint, angesichts der teils strukturell bedingten, teils politisch absichtsvoll betriebenen Vereinzelung der Menschen heute müssen wir das Element der Nestwärme gezielt organisieren. Wie bei diesem Fest, wo jeder mithelfen konnte – Tische festlich decken, Raum dekorieren, Kuchen backen, Programm ausdenken und gestalten, alte Genossen hinbringen. Gemeinsam arbeiten und feiern, staunend darüber, was wir selber in 40 Jahren erlebt und bewegt haben: als fester Bestandteil einer Kampfpartei.



