Allgäu-Krimi um das Gusswerk Waltenhofen

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GWW-1Die Arbeiter des Gusswerks Waltenhofen (bei Kempten) zogen dieser Tage mit ihrem Betriebsratsvorsitzenden Semsi Gözen und dem 2. IG-Metall-Bevollmächtigten von Kempten, Carlos Gil, vor das Wohnhaus ihrer ehemaligen Betriebseigner Dr. Ruja Ignatova und deren Vater Plamen Ignatov, der als Einzelprokurist fungierte. Sie wollten eine "Zahlungsaufforderung" übergeben. Erwartungsgemäß öffnete jedoch niemand und so wurde das Dokument auf zwei großen Plakaten hinterlassen:

"Die IG Metall und die Belegschaft, vetreten durch den Betriebsrat des Gusswerks in Waltenhofen, fordern Sie auf, das dem Unternehmen entzogene Geld in Höhe von Minimum Euro 1.000.000,- umgehend wieder zurückzuerstatten. Nicht die Stabilisierung und Fortführung des Unternehmens, sondern das Auspressen der Firma war Ihr Ziel. Wissentlich haben Sie die Existenz der Beschäftigten und somit die Existenz von über 100 Familien im Allgäu aufs Spiel gesetzt. Selbst Ihr Verkauf bei Nacht und Nebel, sowie die anschließende Flucht ins Ausland, befreit Sie nicht von Ihrer Verantwortung...". Der Aufforderung hing ein Überweisungsschein an.

Das Gusswerk Waltenhofen fertigt seit 1947 hochwertige Gussteile für den Werkzeug- und Maschinenbau, sowie die Automobilindustrie. Nach einer Insolvenz im Jahre 2009 traten die Ignatovs als Retter auf und kauften das Unternehmen. Um den Neustart und die Fortführung zu erleichtern, machten IG Metall und Belegschaft in einem Vertrag erhebliche Zugeständnisse. Das Unternehmen schien Tritt zu fassen. Im Januar 2012 wurden von der Belegschaft jedoch urplötzlich  Vorbereitungen zum Abtransport von wertvollen Maschinen nach Bulgarien festgestellt, was gerade noch verhindert werden konnte. Am 13. Januar 2012 verkauften die Ignatovs die Firma klammheimlich, offensichtlich an einen Strohmann, der vier Tage später Insolvenz anmeldete. Angeblich wußte er um die wahre Lage der Firma nicht Bescheid. Nach zwei Wochen ging er in Urlaub und tauchte seither nicht wieder auf. Die Belegschaft ist ihm darüber nicht gram.

 

Die IG Metall erstattete gegen Dr. Ruja Ignatova Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs, womit sich nun die Staatsanwaltschaft in Augsburg befaßt. Laut Carlos Gil und Semsi Gözen gibt es eindeutige Hinweise, daß die Firma bewußt in die Insolvenz getrieben wurde und die Ignatovs sich selbst bereichert haben. Frau Ignatova hält sich seit dem Verkauf der Firma in London auf.  Die Familie beschwerte sich allerdings noch beim Insolvenzverwalter, daß er die Raten für einen Porsche Cayenne nicht mehr bezahlt habe.

Der Insolvenzverwalter steht mit verschiedenen Interessenten in Verhandlungen (darunter angeblich auch mit dem Verantwortlichen für die Insolvenz im Jahr 2009). Es gebe  eine gute Basis: Rohstoffe und Aufträge stehen zur Verfügung. Und den Mitarbeitern bescheinigt er höchste Motivation und einen unermüdlichen Einsatz.

Text: Kurt Wirth

Foto: IG Metall



 

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